In der Bibliothek des 1852 gegründeten Germanischen
Nationalmuseums in Nürnberg werden mehrere staatliche, aber
auch private Deposita aufbewahrt. Als eine der umfangreichsten Sammlungen
privater Leihgeber gilt die Bibliothek der Paul Wolfgang Merkelschen
Familienstiftung, die im Jahr 1875 zusammen mit einem von dem Nürnberger
Kaufmann Paul Wolfgang Merkel (1756–1820) zusammengetragenen
Komplex an Gemälden, Graphiken, kunsthandwerklichen Objekten
sowie Archivalien dem Germanischen Nationalmuseum anvertraut wurde.
Die 5800 Druckschriften und 1200 Manuskripte beinhaltende sog. Merkelsche
Bibliothek hat ihre inhaltliche Ausrichtung in der zweiten Hälfte
des 18. Jahrhunderts erfahren, wobei Parallelen mit der bedeutenden
„Bibliotheca Norica“ des Altdorfer Gelehrten Georg Andreas
Will (1727–1798) evident zu Tage treten.
Der Band 66 der Nürnberger Werkstücke zur Stadt- und
Landesgeschichte stellt den Bereich der Merkelschen Manuskripte
vor, der bisher allein durch einen ungenügenden, im letzten
Viertel des 19. Jahrhunderts angelegten Zettelkatalog benutzbar
und zudem nur wenig bekannt war. Als Grundlage dient ein umfangreicher,
im Zuge dieser Untersuchung erarbeiteter, an den entsprechenden
Richtlinien der DFG orientierter Katalog der 1214 Handschriftenbände,
der über Namens-, Sach- und Ortsregister erschlossen ist. Damit
wird ein reichhaltiger Fundus an Nürnberger Quellen von der
Stadtgründung bis in das Napoleonische Zeitalter zugänglich
gemacht.
Die Studie zur Geschichte und Zusammensetzung des Merkelschen Handschriftenbestandes
zeigt auf, dass Paul Wolfgang Merkel zwar der Namensgeber der Bibliothek
ist, aber zu deren inhaltlichen Struktur kaum etwas beigetragen,
diese vielmehr wie ein hermetisch abgeschlossenes Buchmuseum behandelt
hat. Erklärbar wird dieser Umstand durch die Vorgeschichte
der Bibliothek, die größtenteils auf den Sammeleifer
des Patriziers Paul Carl Welser von Neunhof (1722–1788), Oberster
Kirchenpfleger der Reichsstadt Nürnberg, zurückzuführen
ist, und erst 1805 geschlossen an Paul Wolfgang Merkel verkauft
wurde. Paul Carl Welser von Neunhof als eigentlicher Begründer
sowie dessen Sohn Hans Karl (1758–1800) als Bewahrer der Welserschen
Norica-Bibliothek stehen folglich im Zentrum der Darstellung, die
der Sammelintention der einstigen Eigentümer nachzugehen versucht
sowie charakteristische Handschriften der Bibliothek der Paul Wolfgang
Merkelschen Familienstiftung beschreibt. |