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Forschungsschwerpunkt Jüdische Geschichte - Informationen
zur Wanderausstellung des Stadtarchivs Nürnberg "‘Der
Dank des Vaterlandes ist Euch gewiß!‘ - Dokumente zum
Holocaust aus der Sammlung Herbert Kolb" |
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Foto: Stadtarchiv Nürnberg
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Inhalt der Ausstellung, die beim Stadtarchiv Nürnberg kostenlos
ausgeliehen werden kann, sind ausgewählte Unterlagen, Fotos
und Zeichnungen aus der größten einschlägigen Privatsammlung
zum Holocaust in Nürnberg, die Mr. Herbert Kolb zusammengetragen
hat.
Herbert Kolb wurde im Jahre 1922 als Sohn des Sekretärs der
Israelitischen Kultusgemeinde Bernhard Kolb in Nürnberg geboren.
Bis zur Deportation der gesamten Familie im Jahre 1943 nach Theresienstadt
waren Vater und Sohn Kolb wache Beobachter des Entwicklungsprozesses,
der von der schrittweisen Entrechtung zur Vernichtung der jüdischen
Bevölkerung führte. Auch ihre Familie blieb davon nicht
verschont: Herbert und seine Eltern überlebten Theresienstadt
und die Arbeitskommandos, seine Schwester und sein Schwager kamen
in Bergen-Belsen bzw. dem KZ-Außenlager Kaufering um.
Bereits während der Verschleppung hatten beide Kolbs begonnen,
ihre Erfahrungen schreibend und zeichnend festzuhalten. Nach der
Befreiung entwickelten sie sich zu akribischen Sammlern von Zeugnissen
dieser furchtbaren Zeit. Herbert Kolb setzte diese Sammlungstätigkeit
nach der Emigration in die USA bis heute fort, indem ihm Freunde
und Familienmitglieder einschlägiges Material zur Verfügung
stellen.
Durch enge persönliche Kontakte zwischen Herrn Herbert Kolb
und dem Stadtarchiv wurde es möglich, diese durch ihre Authentizität
beeindruckende Schau erstmals im Mai und Juni 2003 in Nürnberg
zu zeigen. Auf ihrer Grundlage wurde vom Stadtarchiv Nürnberg
die vorliegende Wanderausstellung mittels fotografischer Reproduktion
und aufwendiger digitaler Nachbearbeitung der Tafeln erstellt.
Die Schau wurde bislang 2005 in der Wilhelm-Löhe-Schule und
2007 im Sigena-Gymnasium gezeigt. |
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Titel und Themen der Ausstellungstafeln |
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Einleitung und
Biographie Herbert Kolb |
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Nürnberg 1: Daten zur
Verfolgung der Juden in Nürnberg und Schicksale der Mitglieder
der Familie Kolb |
3 |
Nürnberg 2: Die Zerstörung
der Hauptsynagoge und die "Kristallnacht" in Nürnberg |
4 |
"Der Stürmer"
1: Briefe an das antisemitische Hetzblatt |
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"Der Stürmer"
2: Briefe an das antisemitische Hetzblatt |
6 |
Konzentrationslager: Dokumente
und Korrespondenz aus den Lagern |
7 |
Berlin: Herbert Kolbs Schulbesuch
und seine dortigen Freunde |
8 |
Ausweise: Dokumente der Verfolgung
und Vernichtung |
9 |
Frankreich 1: Die Deportation
der Familie Wildmann aus Philippsburg in Baden im Oktober
1940 |
10 |
Frankreich 2: Lager, Deportation
und Überleben |
11 |
Frankreich und Polen: Verfolgung
der Juden durch die deutsche Besatzungsmacht |
12 |
Theresienstadt 1: Lageplan
und Zeichnungen aus dem Konzentrationslager |
13 |
Theresienstadt 2: Von Herbert
Kolb in Theresienstadt angefertigte Gegenstände und Zeichnungen |
14 |
Theresienstadt 3: Dokumente
und Zeichnungen (s. Textbeispiel unten) |
15 |
Theresienstadt 4: Dokumente
und Ghettogeld |
16 |
Theresienstadt 5: Dokumente,
Zeichnungen und Fotos |
17 |
Theresienstadt 6: Zeichnungen
und Aquarelle von Ghettobewohnern |
18 |
Arbeitskommando Wulkow 1:
Der Weg nach Wulkow und die dortigen Lebensbedingungen der
Häftlinge |
19 |
Arbeitskommando Wulkow 2:
SS-Obersturmführer Franz Stuschka, der Leiter des Kommandos
Wulkow |
20 |
Arbeitskommando Wulkow 3:
Der Rückweg nach Theresienstadt |
21 |
Arbeitskommando Regen |
22 |
Nach der Befreiung 1: Das
KZ Theresienstadt |
23 |
Nach der Befreiung 2: Die
Auswanderung der Familie Kolb |
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Gedanken des Ausstellungsmachers, Herrn Herbert Kolb, zum Nürnberger
Projekt |
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Foto: Privat
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Ich habe mir überlegt, einen passenden Namen für die
Ausstellung zu finden. Das war nicht einfach, denn natürlich
hat diese etwas mit dem Holocaust zu tun, doch es ist viel mehr.
Sie zeigt, wie alles begann und wie ein Land, das sich zivilisiert
nannte, Maßnahmen gegen einen Teil seiner Bewohner ergriff,
deren sadistische Grausamkeit und Unmenschlichkeit selbst die Hunnen,
die Horden des Dschingis Khan oder die Inquisition in den Schatten
stellten.
Diese Ausstellung zeigt einen Ausschnitt meines Lebens als Jude
in Deutschland während jenen unbeschreiblichen zwölf Jahren.
Sie sehen Dokumente, welche für normale Menschen unglaublich
scheinen, z.B. den offiziellen Brief eines deutschen Offiziers,
für den es völlig natürlich war eine Bilanz aufzuzeichnen
wie viele Männer, Frauen und Kinder in einer bestimmten Zeit
umgebracht wurden. Wahrscheinlich hatte er keine Gewissensbisse,
seinem Kind ein Spielzeug mitzubringen, das er aus der Hand eines
der toten jüdischen Kinder genommen hatte, das gerade ermordet
worden war.
Sie können mit eigenen Augen die Briefe lesen, die deutsche
Soldaten dem "Stürmer" schickten, in denen sie sich
rühmten, bei der Ermordung von Juden geholfen zu haben. Außerdem
befinden sich in der Ausstellung gefälschte Ausweise, die ein
französischer Beamter unter Todesgefahr jüdischen Mädchen
ausstellte, damit sie diese Menschenjagd überleben konnten.
Vielleicht kommt Ihnen sogar eine Träne ins Auge, wenn Sie
den Abschiedsbrief meines Schwagers an seine junge Frau lesen, oder
den letzten Brief meiner Schwiegermutter an ihren zwölfjährigen
Sohn. Sie werden staunen und es für unmöglich halten,
dass meine Mutter wegen einer Nähnadel fast umgebracht werden
konnte. In dieser Ausstellung ist viel mehr und ich kann hier nicht
jedes Exponat beschreiben, doch Sie werden sehen: Auf der einen
Seite unbeschreibliche Grausamkeit und auf der anderen der Wille
zu überleben.
Ich kann mir nicht vorstellen, dass es für diese Ausstellung
einen besseren Titel gibt als die Worte, die von einer deutschen
Regierung proklamiert wurden, die Schuld trug an einem früheren
Weltkrieg. Sie waren als ein Trost gemeint für die Eltern,
Witwen und Waisen, ohne Unterschied ob die Gefallenen Christen oder
Juden waren, die für ihr Vaterland ihr Leben ließen:
"Der Dank des Vaterlandes ist Euch gewiß!". |
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Textbeispiel (Tafel 14)
Eine Nähnadel, die meiner Mutter das Leben kosten konnte
Es war der 25. März 1944, ein ziemlich kalter, regnerischer
Frühlingstag. Meine Mutter arbeitete in der sogenannten Kleiderkammer
in der Aussiger Kaserne, die am Rande Theresienstadts lag, doch
nicht mehr zum Ghetto gehörte. Die Kaserne war im deutschen
Gebiet. Die Aussiger Kaserne war ein Lagerhaus, in das die Nazis
die von den Juden gestohlenen Koffer gebracht haben.
Da vor dem Mai 1943 keine Zugverbindung nach Theresienstadt bestand,
mussten die Menschen von Bauschowitz zu Fuß nach Theresienstadt
laufen. Die meisten und hauptsächlich die älteren Leute
konnten Ihre Koffer nicht tragen. So wurde Ihnen von den "hilfreichen"
SS-Männern gesagt, dass sie die Koffer ruhig stehen lassen
können, sie würden sie ins Haus geliefert bekommen. Auf
diese Weise war es für die SS-Männer viel einfacher, denn
sie brauchten nicht erst alle diese Koffer nach Konterbande zu untersuchen.
Sie stahlen die Koffer mit allem Inhalt. Was sie selber brauchen
konnten, nahmen sie nach bewährter Technik aus den Koffern
heraus, und der Rest, die Kleidungstücke, wurde dann im Warenlager
in der Aussiger Kaserne aufgestapelt. Diese Wäsche und Kleidungsstücke
waren das letzte bisschen, was den Menschen erlaubt war mitzunehmen.
So kam ein großer Teil der alten Leute nur mit dem, was sie
am Körper hatten, in Theresienstadt an.
Die jüdischen Frauen der Kleiderkammerkolonne mussten nun
diese Stücke, die natürlich nicht neu waren, ausbessern.
Dann wurden diese zurück ins Reich geschafft und angeblich
an die ausgebombten "Arier" verteilt. Natürlich waren
diese Artikel nicht neu, denn Juden konnten ja schon seit Jahren
keine neuen Stücke mehr kaufen, denn außer einer verkürzten
Lebensmittelkarte bekamen wir auch keine Kleiderkarte. Deshalb waren
viele dieser Kleidungsstücke reparaturbedürftig.
Meine Mutter musste um 7 Uhr an einer bestimmten Stelle antreten,
denn ohne Bewachung durfte natürlich niemand das Ghetto verlassen.
Als sie ihren Mantel anzog, fiel ein Knopf ab. Schnell nahm sie
eine Nähnadel und ein bisschen Faden und steckte es in den
Samt ihres Brillenetuis. Es dauerte immer eine längere Zeit,
bis einer der Wachmannschaften kam und die Frauen mussten, ob Regen
oder Schnee, auf der Straße warten. Dann wurden sie zur Aussiger
Kaserne geführt. Es war also genug Zeit während des Wartens,
dass meine Mutter den Knopf annähen konnte.
Jeder der in Theresienstadt Internierten hatte eine Transportnummer,
die an jedem Kleidungsstück entweder angenäht oder hineingeschrieben
sein musste. Die jüdischen Frauen waren nicht dumm und hatten
die gute Idee, wenn sie ein Stück fanden, dass noch in besserem
Zustand war als das, was sie anhatten, dann nahmen sie vorsichtig,
wenn niemand es sah, das Stück unter ihren Rock und gingen
auf die Latrine, nähten schnell ihre Nummer an das gefundene
Stück, zogen auch dieses an und schmuggelten das alte ihrige
unter dem Rock zurück. Allerdings wussten die deutschen Aufseherinnen,
dass das geschieht und haben sehr aufgepasst. Natürlich war
das strengstens verboten, den das Stehlen war zwar das Recht der
Deutschen, doch nicht der Juden.
Nachdem die Frauen nun den ganzen Tag in der Kleiderkammer gearbeitet
hatten, mussten sie wieder antreten und wurden dann mit Bewachung
zurück ins Ghetto gebracht. Doch damit keine ein Wäschestück
mitnehmen konnte, wurden immer so und so viele der Frauen jeden
Abend körperlich von diesen Hyänen durchsucht. An diesem
Tag war meine Mutter an der Reihe und sie musste sich ausziehen
und außerdem ihr Brillenetui öffnen. Natürlich fand
die Nazifrau die Nähnadel mit dem schwarzen Faden. Meine Mutter
wurde beschuldigt, dass sie vorhatte eines der Stücke zu stehlen.
Die Erklärung meiner Mutter half ihr nichts, denn diese "arischen
Herrenmenschen" waren so ans Lügen gewöhnt, dass
sie selbstverständlich annahmen, dass jeder andere auch lügt.
So wurde meine Mutter aus der Kleiderkammerkolonne hinausgeworfen.
Zum Glück wurde diese Affäre nicht an die SS-Dienststelle
gemeldet, denn als eine Kriminelle wäre sie sofort in den nächsten
Transport nach Auschwitz gekommen und eine Frau mit 52 Jahren hatte
keine Chance Auschwitz zu überleben. |
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Pressestimmen zur Ausstellung im Jahre 2003
Schau gegen das Vergessen
Nürnberg - Knapp 400 Exponate - das ist die Ausbeute von Herbert
Kolbs bewegten Leben. Sein Leben - das spielte sich vor allem in
Angst und Verzweiflung ab. Denn der heute 80-Jährige wurde
als Kind einer jüdischen Familie von den Nazis verfolgt und
überlebte mehrere Konzentrationslager. Mit seiner Ausstellung
im Nürnberger Kulturhaus K4 will er davon erzählen.
"Der Dank des Vaterlands ist Euch gewiß!" - Das
ist der Titel der Ausstellung, die noch bis zum 15. Juni im K4 zu
sehen sein wird. "Ich konnte keine bessere Überschrift
finden, als dieses Versprechen der deutschen Regierung an ihr Volk
im ersten Weltkrieg", erklärt der gebürtige Nürnberger
die Spannung zwischen Titel und Inhalt der Ausstellung.
Inhalt der Ausstellung - das sind vor allem sehr persönliche
Dinge aus dem Leben des heute in Amerika lebenden Rentners. Die
26 Tafeln zeigen ebenso Fotos, gefälschte Papiere und Sterbelisten
wie Zeichnungen von Konzentrationslagern und einen 60 Jahre alten
Rucksack, den Herbert Kolb retten konnte.
Authentisch - so wirkt die Ausstellung auf den Besucher. Schließlich
waren die meisten Menschen, von denen die Schau erzählt, enge
Bekannte Herbert Kolbs.
"Ich bin sicher, wer sich die Ausstellung genau anschaut,
wird einige Tränen vergießen." Das dürfte angesichts
des Abschiedsbriefs, den seine Schwiegermutter kurz vor dem Transport
nach Auschwitz an ihren 12-jährigen Sohn schrieb, nicht schwer
fallen.
Quelle: Nordbayern Infonet 27.5.2003 |
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Der 81-jährige Herbert Kolb sammelte persönliche
Dokumente des Holocaust. Zeugnisse einer traurigen Kindheit. Bewegende
Ausstellung im Künstlerhaus - Aquarelle zeigen das Leben im
KZ
"Der Dank des Vaterlands ist Euch gewiß!" Mit diesem
Satz hat Herbert Kolb seine Sammlung von persönlichen Dokumenten
zum Holocaust überschrieben. Es sind Zeugnisse der Verfolgung,
Unterdrückung, Demütigung und des Todes, aber auch Ausdruck
des übermenschlichen Überlebenswillens. Kolb, 1922 in
Nürnberg als Sohn des einstigen Sekretärs der Israelitischen
Kultusgemeinde, Bernhard Kolb, geboren, stellt sie bis zum 15. Juni
im Kopfbau des Künstlerhauses, Königstrasse 1, aus. Sie
werden erstmals in Deutschland gezeigt.
Warum nimmt ein Mann mit 81 Jahren die beschwerliche Reise von
New Jersey (USA) nach Nürnberg auf, um hier seine ganz persönliche
Sammlung zutiefst anrührender Dokumente zu zeigen? "Auch
heute noch, 70 Jahre, nachdem die Gewaltherrschaft der Nationalsozialisten
an die Führung des Deutschen Reiches kam, ist es mir unverständlich,
in welch kurzer Zeit es möglich war, diese politischen Kriminellen
an die Spitze zu stellen." Herbert Kolb kann auch nicht verstehen,
dass es möglich war, "ein Volk, das als zivilisiert galt,
so aufzuhetzen, dass dieses selber nicht nur mitmachte, sondern
sich auch noch dieser scheußlichen Tat rühmte".
Mit seiner Ausstellung, unterstützt durch das Stadtarchiv
und das Künstlerhaus, will er seine eigenen Erlebnisse "während
dieser zwölf fast unbeschreiblichen Jahre meiner Kindheit und
Jugend" darstellen. Dazu gehören euphorische Briefe deutscher
Soldaten an das Hetzblatt "Stürmer", in denen diese
sich rühmten, bei der Ermordung von Juden geholfen zu haben.
Dazu gehört aber zum Beispiel auch ein kleines Holzpferd, das
Kolb als Jugendlicher im Lager Theresienstadt geschnitzt und gegen
ein Viertel Laib Brot getauscht hatte. Er zeigt Zeichnungen und
Aquarelle, mit denen er das Leben im Konzentrationslager festgehalten
hatte. Oder den gefälschten Ausweis seiner späteren Frau,
den die 18-Jährige von einem französischen Beamten bekam,
um ihr Leben zu retten.
Die Sammlung zeigt "auf der einen Seite nichts wie Grausamkeiten,
auf der anderen Seite aber viel über den Willen zu überleben",
betont Kolb. Die Familie war 1943 nach Theresienstadt deportiert
worden. Er und seine Eltern überlebten, seine Schwester und
sein Schwager starben in Bergen-Belsen oder in dem KZ-Außenlager
Kaufering. Den letzten Brief seines Schwagers kann man in der Ausstellung
nachlesen. "Vielleicht werden Sie sogar eine Träne vergießen,
wenn sie den Abschiedsbrief meiner Schwiegermutter an ihren zwölfjährigen
Sohn lesen, ehe sie in den Transport nach Auschwitz kam und dort
ermordet wurde", sagt Herbert Kolb.
Zur Eröffnung der Ausstellung kamen gestern auch Weggefährten
des gebürtigen Nürnbergers. Ein Freund aus Berlin, der
mit ihm ein Jahr lang in Berlin das Grafikhandwerk gelernt hatte,
oder eine Jüdin, die mit ihm eine Zeit lang im Lager verbracht
hatte. Eine Zeitzeugin entdeckt auf dem Foto der überlebenden
jüdischen Bürger aus Nürnberg Freunde und zeigt sie
bewegt ihrem Enkelsohn.
Herbert Kolb gehörte zu den wenigen überlebenden Nürnbergern.
Er wanderte 1946/47 mit seinen Eltern nach Amerika aus. Seine Kunst,
mit Holz umzugehen, setzte er in der Wahlheimat ebenso beruflich
ein wie seine grafischen Fähigkeiten. Die Eltern betrieben
eine Hühnerfarm. Zusammen mit seinem Vater hat er quasi ab
1933 Dokumente des Nazi-Terrors gesammelt - und damit nach 1945
auch nicht aufgehört.
Bis zum 30. Mai will Herbert Kolb Besucher persönlich durch
die Sammlung führen. Nach Ende der Ausstellung gehen die Dokumente
zurück in die USA. Das Stadtarchiv hofft noch auf Spender,
die eine Digitalisierung der Objekte finanzieren, damit sie in den
Bestand des Archivs übergehen.
Quelle: Nürnberger Nachrichten 28.5.2003 |
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Ausstellung im Künstlerhaus erzählt von
der Verfolgung des früheren Nürnberger Bürgers Herbert
Kolb. Selbst gute Bekannte glaubten den Parolen. Sohn des Kultusgemeinde-Sekretärs
erlebte die Ausgrenzung und Verfolgung von Anfang an mit
Hier werden die Abgründe der deutschen Geschichte gezeigt,
aber auch Dokumente des unerschütterlichen Willens, zu überleben:
Die gestern eröffnete Ausstellung "Der Dank des Vaterlandes
ist Euch gewiß" zeigt den Terror und die Verfolgung durch
das Naziregime anhand des Schicksals einer jüdischen Familie
aus Nürnberg auf.
"Meine eigenen Erlebnisse als Jude in Deutschland während
dieser zwölf fast unbeschreiblichen Jahre meiner Kindheit und
Jugend" seien in der Ausstellung im Kopfbau des Künstlerhauses
dargestellt, berichtete gestern Herbert Kolb. Der 1922 in Nürnberg
geborene Sohn des Sekretärs der Israelitischen Kultusgemeinde
hat zusammen mit seinem Vater die Jahre der Ausgrenzung genauso
dokumentiert wie die Verschleppung nach Theresienstadt. Nach dem
Ende der Schreckensherrschaft wanderte er nach Amerika aus, sammelte
aber weiterhin Zeugnisse des Holocausts. Die Anregung zu der Ausstellung
in Nürnberg kam von Stadtarchiv-Mitarbeiter Gerhard Jochem,
der mit dem ehemaligen Nürnberger schon seit einigen Jahren
in Kontakt stand.
"Ich war nicht ganz elf Jahre alt, als ich erfahren musste,
dass ich anders war als meine Mitschüler", erzählte
Kolb gestern aus seinem Leben. Besonders bitter empfand er, dass
auch gute Bekannte die Propagandalügen der Nationalsozialisten
glaubten. Auf die Frage: "Du kennst mich doch seit vielen Jahren,
wie kannst Du diese Hetzpropaganda glauben?" kam bloß
die lapidare Antwort: "Wir meinen doch nicht Dich, sondern
wir meinen die anderen Juden!"
Welche Formen der Rassenwahn noch annahm, zeigen Briefe an den
"lieben Stürmer", die dem Streicher‘schen Hetzblatt
willig Munition für seine Propaganda lieferten.
Bedrückende Zeitdokumente sind auch Bilder, die Kolb und
andere Verfolgte in den Konzentrationslagern anfertigten. Zum Teil
entstanden die Gemälde im Auftrag der SS-Dienststelle und hatten
zu zeigen, wie "schön" es die Gefangenen hatten.
Als Gegenpol zu diesem falschen Schein sind auch Gegenstände
wie eine primitive Waage zu sehen, mit der sich die Lagerinsassen
ihre spärlichen Brotrationen teilen mussten.
Kulturreferentin Julia Lehner hob die Unmittelbarkeit der Ausstellung
hervor, die so nur von einem direkten Zeugen der Schrecknisse dargestellt
werden könne. Die Schau biete einen Schlüssel für
die Frage, wie die Mechanismen des Nationalsozialismus funktioniert
hätten.
"Der Dank des Vaterlandes ist Euch gewiß" - der
Name ist eine Anspielung auf eine Parole aus dem 1. Weltkrieg, als
viele jüdische Soldaten für Deutschland kämpften
- ist noch bis zum 15. Juni im Ausstellungsbereich des Künstlerhaus-Kopfbaus
(Königstrasse 93) zu sehen. Öffnungszeiten sind montags
bis samstags von 13-19 Uhr und sonntags von 13-17 Uhr.
Herbert Kolb wird noch in den kommenden Tagen für Führungen
durch die Ausstellung zur Verfügung stehen. Informationen dazu
erteilt das K 4 im Künstlerhaus unter 2 31-85 89.
Damit diese Zeugnisse Nürnberger Geschichte nach Ende der
Ausstellung nicht in Vergessenheit geraten, sucht das Stadtarchiv
derzeit noch nach Sponsoren für ein Projekt, mit dem die Zeit-Dokumente
auf elektronischen Medien festgehalten werden können.
Quelle: Nürnberger Zeitung 28.5.2003 |
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Technische Angaben
Die Ausstellung besteht aus 23 farbigen Tafeln (Maße: 96
x 96 cm), die komplett mit dem notwendigen Gestänge (Höhe:
ca. 2 m) geliefert und aufgebaut werden. Das Ausstellungssystem
erlaubt einen Aufbau in Turm- oder Wandform. Da es sich um eine
reine Tafelausstellung handelt, muss während den Öffnungszeiten
keine Aufsicht anwesend sein. |
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Kontakt
Telefon: (0911) 231-54 88
Fax: (0911) 231-40 91
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| Stand:
22.01.2010 |
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