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Aktuelles - Matthias Kirchhoff: Gedächtnis in Nürnberger Texten des 15. Jahrhunderts. Gedenkbücher – Brüderbücher – Städtelob – Chroniken

 

Nürnberger Werkstücke zur Stadt- und Landesgeschichte, Band 68,
herausgegeben von Michael Diefenbacher in Verbindung mit Werner K. Blessing, Rudolf Endres, Franz Fuchs und Georg Seiderer.
Verlagsdruckerei Schmidt (Neustadt/Aisch)
Nürnberg 2010
369 S., 16 Abb., € 26,--
ISBN 978–3–87707–773–3

 

Nürnberger Werkstücke zur Stadt- und Landesgeschichte, Band 68

 

In seiner Dissertation beleuchtet der Autor Matthias Kirchhoff anhand Nürnberger Texte des 15. Jahrhunderts die soziale Funktion menschlichen Erinnerns, etwa als Andenken an Verstorbene, als Konstruktion von Ruhm und Ehre und dem damit verbundenen Prestigegewinn oder als Bildung kollektiver Gedächtnisinhalte.

Wesentliche Träger dieser sozialen Gedächtnisfunktion sind seit jeher Schrift und Literatur. Auf breiter Quellengrundlage liefert Kirchhoff zahlreiche neue Interpretationen zum Teil prominenter, aber auch weniger bekannter Texte der Nürnberger Stadtgeschichte an der Grenze von Mittelalter und Früher Neuzeit. So wird deutlich, wie der mächtigste Ratsherr seiner Zeit, Niklas III. Muffel, kurz vor seiner Hinrichtung um sein posthumes Gedächtnis ringt. Das berühmte Hausbuch der Mendelschen Zwölfbrüderstiftung erscheint nicht mehr nur als hervorragende Bildquelle zur Handwerksgeschichte der Reichsstadt, sondern gewinnt als Plattform verschiedener Erinnerungsstrategien neues Profil und avanciert nicht zuletzt auch in seinen Gedächtniskonzeptionen zum Vorbild des Brüderbuchs der Landauerschen Zwölfbrüderstiftung.


Weitere Gedächtniskonzeptionen untersucht Kirchhoff im berühmten Püchel von Ulman Stromer und in den Memorialen der Patrizierfamilie Tucher. Lobkonzeptionen und Gedächtnis bildende Inhalte weist Kirchhoff ebenfalls in Textgattungen des Städtelobs und der Stadtchroniken nach. Berühmte Beispiele hierfür sind der Lobspruch auf Nürnberg aus der Feder Hans Rosenplüts, eines der bedeutendsten Handwerkerdichter des 15. Jahrhunderts, die Sag von Nürnberg als das wohl älteste deutschsprachige Städtelob, die in Prosa abgefasste Beschreibung Nürnbergs Norimberga von Konrad Celtis sowie die Nürnberger Chronik des Augsburger Geschichtsschreibers und Benediktiners Sigmund Meisterlin.

Mit Textanalysen zu Formen und Funktionen von Gedächtnis im Nürnberg des 15. Jahrhunderts liefert Kirchhoff nicht nur neue Erkenntnisse zur Mentalitätsgeschichte und Erinnerungskultur am Übergang von Mittelalter und Früher Neuzeit, sondern steckt auch den Rahmen für zukünftige Forschungen ab.


Stand: 09.02.2010
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