| |
Aktuelles - Häuserbuch der Stadt Nürnberg |
| |
|
| |
Nürnberg gehörte bis zum Ende des Heiligen
Römischen Reiches zu den bedeutendsten deutschen Städten.
Politisch hervorgehoben als Aufbewahrungsort der Reichsinsignien
hatte Nürnberg für Kaiser und Reich eine Zeit lang den
Charakter einer Hauptstadt. Für den deutschen und internationalen
Handel war die Stadt Jahrhunderte lang von zentraler Bedeutung.
Seit dem Spätmittelalter finden sich hier frühindustrielle
Ansätze (Papier, Metall, "Nürnberger Tand",
Tuche). Die Stadt war bevorzugte Wohn- und Arbeitsstätte für
Künstler, Wissenschaftler (Astronomie), Erfinder, Buchdrucker.
Ihre Einwohnerzahl erreichte zur Dürerzeit 40-50.000, um 1620
50-60.000 Personen. Nürnberg konnte sein "altfränkisches"
(reichsstädtisches) Erscheinungsbild über die Phase der
Hochindustrialisierung in der 2. Hälfte des 19.Jahrhunderts
hinwegretten, bis die Stadt in der Bombennacht des 2.Januar 1945
total zerstört wurde. Nach heftigen Diskussionen erfolgte der
Wiederaufbau in Anlehnung an die überlieferten Architekturformen
(im ummauerten Altstadtbereich).
Das Projekt "Häuserbuch der Stadt Nürnberg",
erarbeitet auf der Grundlage archivalischer Quellen, soll den reichsstädtischen
Häuserbestand innerhalb der sogenannten vorletzten Stadtmauer
sichern: Für jedes der ca. 2000 Einzelgebäude in der inneren
Altstadt Nürnbergs wird eine Besitzerliste von den Anfängen
(meist erst seit 1479 möglich) bis 1806 erstellt werden. Für
den inneren Teil der nördlichen (Sebalder) Altstadt liegt ein
Häuserbuch mit 1277 Einzelobjekten als maschinenschriftliches
Manuskript vor, so dass ab 1995 noch etwa 675 Anwesen bearbeitet
werden. Es handelt sich dabei um Grundlagenforschung, da für
den südlichen (Lorenzer) Stadtteil noch keinerlei Vorarbeiten
vorhanden sind.
Für das einzelne Haus sind folgende Angaben im Häuserbuch
vorgesehen:
- im Kopfbereich die genaue Straßenbezeichnung, die alte,
von 1796 bis 1865 gültige Hausnummer und die Flurnummer nach
dem Kataster;
- eine Kurzbeschreibung des Anwesens, wie sie aus dem Katasterplan
entnommen werden kann (z.B.: Reihenhaus mit Hof, Seitengebäude,
Hinterhaus und Gärtlein);
- die Besitzerfolge (Verkaufsjahr, Vertragsparteien, topographische
Beschreibung des Objekts, Kaufpreis, Hypothekenbelastung);
- Anmerkungsapparat mit Quellennachweisen;
- Sacherläuterungen.
|
 |
Die Fertigstellung des Häuserbuchs der Lorenzer
Stadtseite erfolgte im Jahr 2006. Seitdem wird die Sebalder Stadtseite
nochmals überarbeitet, um eine einheitliche Veröffentlichung
des Gesamtwerks zu gewährleisten. Derzeit ist eine Veröffentlichung
in 9 Teilbänden geplant, von denen ab etwa 2011 jährlich
ein Band erscheinen soll. Dadurch wird ein gewaltiger Bestand an
Quellen aufbereitet und dargeboten mit Einzelinformation:
- zur Bau- und Kunstgeschichte: Identifizierung von Bauherren
durch Initialen und Wappen, Zuordnung von Jahreszahlen zu Hausbesitzern,
Zuordnung von Ausstattungsstücken wie Erker, Chörlein,
Figuren, Gemälde zu bestimmten Häusern;
- zur Bevölkerungsgeschichte: Auftauchen und Verschwinden
von Familiennamen, Genealogische Verbindungen;
- zur Rechtsgeschichte: Festlegung besonderer Rechtsbezirke (Muntate);
- zur Religionsgeschichte: Nachweis von Kirchen- und Klosterbesitz
(z.B. Pfründhäuser), Lage der Seelhäuser (Beginen),
Niederlassungen auswärtiger Klöster;
- zur Topographie: Bebauung der einzelnen Wohnquartiere, Feststellung
ehemaliger Zusammengehörigkeit von Parzellen, Hausteilungen
und –zusammenlegungen, Entwicklung der Straßennamen,
- zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte: Immobilienwerte im Quer-
und Längsschnitt, Massierung von Grundbesitz in der Hand
einzelner Bürger, Wohnsitze und Faktoreien auswärtiger
und ausländischer Familien, Belastung der Objekte mit Hypotheken,
Dienstbarkeiten u.a., ständische Zusammensetzung der Wohnquartiere,
Gewerbekataster (Apotheker, Bäcker, Bader, Schmiede, Wirte
etc.), Identifizierung der Wohnhäuser von Erfindern, Gelehrten,
Künstlern, Lage der Judenviertel, Wohnquartiere von Residenten
auswärtiger Staaten, Kauf und Verkauf von Kommunalbesitz.
Das Projekt "Häuserbuch der Stadt Nürnberg"
hat in dem Nürnberger Häuserforscher Karl Kohn einen ausgewiesenen
Sachkenner als Bearbeiter gefunden. Ursprünglich hatte er das
Häuserbuch der Sebalder Stadtseite, das er zur Zeit nochmals
überarbeitet, in den 1970er Jahren fertiggestellt, das Häuserbuch
der Lorenzer Stadtseite wurde von ihm zwischen 1995 und 2006 erstellt.
Finanziert wird das Projekt vom Verein für Geschichte der Stadt
Nürnberg mit Unterstützung der Sparkasse Nürnberg
und der Friedrich Frhr. von Haller’schen Forschungsstiftung.
Betreut wird das Projekt vom Stadtarchiv Nürnberg. |
| |
| Stand:
03.02.2010 |
 |
| |
|