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Aktuelles - Häuserbuch der Stadt Nürnberg

 
Nürnberg, Burg vom Neutor. Aufnahme ca. 1902.
 

Nürnberg gehörte bis zum Ende des Heiligen Römischen Reiches zu den bedeutendsten deutschen Städten. Politisch hervorgehoben als Aufbewahrungsort der Reichsinsignien hatte Nürnberg für Kaiser und Reich eine Zeit lang den Charakter einer Hauptstadt. Für den deutschen und internationalen Handel war die Stadt Jahrhunderte lang von zentraler Bedeutung. Seit dem Spätmittelalter finden sich hier frühindustrielle Ansätze (Papier, Metall, "Nürnberger Tand", Tuche). Die Stadt war bevorzugte Wohn- und Arbeitsstätte für Künstler, Wissenschaftler (Astronomie), Erfinder, Buchdrucker. Ihre Einwohnerzahl erreichte zur Dürerzeit 40-50.000, um 1620 50-60.000 Personen. Nürnberg konnte sein "altfränkisches" (reichsstädtisches) Erscheinungsbild über die Phase der Hochindustrialisierung in der 2. Hälfte des 19.Jahrhunderts hinwegretten, bis die Stadt in der Bombennacht des 2.Januar 1945 total zerstört wurde. Nach heftigen Diskussionen erfolgte der Wiederaufbau in Anlehnung an die überlieferten Architekturformen (im ummauerten Altstadtbereich).

Das Projekt "Häuserbuch der Stadt Nürnberg", erarbeitet auf der Grundlage archivalischer Quellen, soll den reichsstädtischen Häuserbestand innerhalb der sogenannten vorletzten Stadtmauer sichern: Für jedes der ca. 2000 Einzelgebäude in der inneren Altstadt Nürnbergs wird eine Besitzerliste von den Anfängen (meist erst seit 1479 möglich) bis 1806 erstellt werden. Für den inneren Teil der nördlichen (Sebalder) Altstadt liegt ein Häuserbuch mit 1277 Einzelobjekten als maschinenschriftliches Manuskript vor, so dass ab 1995 noch etwa 675 Anwesen bearbeitet werden. Es handelt sich dabei um Grundlagenforschung, da für den südlichen (Lorenzer) Stadtteil noch keinerlei Vorarbeiten vorhanden sind.

Für das einzelne Haus sind folgende Angaben im Häuserbuch vorgesehen:

  • im Kopfbereich die genaue Straßenbezeichnung, die alte, von 1796 bis 1865 gültige Hausnummer und die Flurnummer nach dem Kataster;
  • eine Kurzbeschreibung des Anwesens, wie sie aus dem Katasterplan entnommen werden kann (z.B.: Reihenhaus mit Hof, Seitengebäude, Hinterhaus und Gärtlein);
  • die Besitzerfolge (Verkaufsjahr, Vertragsparteien, topographische Beschreibung des Objekts, Kaufpreis, Hypothekenbelastung);
  • Anmerkungsapparat mit Quellennachweisen;
  • Sacherläuterungen.
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Die Fertigstellung des Häuserbuchs der Lorenzer Stadtseite erfolgte im Jahr 2006. Seitdem wird die Sebalder Stadtseite nochmals überarbeitet, um eine einheitliche Veröffentlichung des Gesamtwerks zu gewährleisten. Derzeit ist eine Veröffentlichung in 9 Teilbänden geplant, von denen ab etwa 2011 jährlich ein Band erscheinen soll. Dadurch wird ein gewaltiger Bestand an Quellen aufbereitet und dargeboten mit Einzelinformation:

  • zur Bau- und Kunstgeschichte: Identifizierung von Bauherren durch Initialen und Wappen, Zuordnung von Jahreszahlen zu Hausbesitzern, Zuordnung von Ausstattungsstücken wie Erker, Chörlein, Figuren, Gemälde zu bestimmten Häusern;
  • zur Bevölkerungsgeschichte: Auftauchen und Verschwinden von Familiennamen, Genealogische Verbindungen;
  • zur Rechtsgeschichte: Festlegung besonderer Rechtsbezirke (Muntate);
  • zur Religionsgeschichte: Nachweis von Kirchen- und Klosterbesitz (z.B. Pfründhäuser), Lage der Seelhäuser (Beginen), Niederlassungen auswärtiger Klöster;
  • zur Topographie: Bebauung der einzelnen Wohnquartiere, Feststellung ehemaliger Zusammengehörigkeit von Parzellen, Hausteilungen und –zusammenlegungen, Entwicklung der Straßennamen,
  • zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte: Immobilienwerte im Quer- und Längsschnitt, Massierung von Grundbesitz in der Hand einzelner Bürger, Wohnsitze und Faktoreien auswärtiger und ausländischer Familien, Belastung der Objekte mit Hypotheken, Dienstbarkeiten u.a., ständische Zusammensetzung der Wohnquartiere, Gewerbekataster (Apotheker, Bäcker, Bader, Schmiede, Wirte etc.), Identifizierung der Wohnhäuser von Erfindern, Gelehrten, Künstlern, Lage der Judenviertel, Wohnquartiere von Residenten auswärtiger Staaten, Kauf und Verkauf von Kommunalbesitz.

Das Projekt "Häuserbuch der Stadt Nürnberg" hat in dem Nürnberger Häuserforscher Karl Kohn einen ausgewiesenen Sachkenner als Bearbeiter gefunden. Ursprünglich hatte er das Häuserbuch der Sebalder Stadtseite, das er zur Zeit nochmals überarbeitet, in den 1970er Jahren fertiggestellt, das Häuserbuch der Lorenzer Stadtseite wurde von ihm zwischen 1995 und 2006 erstellt. Finanziert wird das Projekt vom Verein für Geschichte der Stadt Nürnberg mit Unterstützung der Sparkasse Nürnberg und der Friedrich Frhr. von Haller’schen Forschungsstiftung. Betreut wird das Projekt vom Stadtarchiv Nürnberg.

 
Stand: 03.02.2010
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